Nachruf In Erinnerung an Walter Schossig (1941 – 2026)

Wir trauern um unser Gründungsmitglied und langjährigen Mitstreiter im Arbeitskreis “Stromgeschichte Thüringens“ der TEAG Thüringer Energie AG.
Walter Schossig wurde 1941 geboren und ging in Sondershausen zur Grundschule. Im Kalischacht Sondershausen wurde er zum Elektriker ausgebildet. Von 1958 bis 1961 studierte er an der Ing.-Schule für Elektroenergie „Dr. Robert Mayer“ in Zittau. Als junger Elektroingenieur war seine erste berufliche Station von 1961 bis 1962 im Kraftwerk Bleicherode der Energieversorgung (EV) Erfurt.
1962-1963 arbeitete er als Ingenieur für Technik im Netzbetrieb Mühlhausen der EV Erfurt, danach 1963-1968 als Ingenieur für Elektrische Netze. Viele Jahre, von 1968 bis 1996, war er als Ingenieur bzw. Gruppenleiter Netzschutz im Energiekombinat in Gotha tätig, später bei ENAG/TEAG Thüringer Energie AG, Erfurt. Er entwickelte sich zu einem der prägenden Personen im Netzschutz der DDR und später, nach der politischen Wende auch im wiedervereinigten Deutschland. 1997 ging er in den Ruhestand, was aber seine vielfältigen Aktivitäten rund um die Energie- bzw. Netzwirtschaft eher noch beförderte.
In seinem beruflichen Leben arbeitete er in vielen Arbeitskreisen aktiv mit. Vom FUA „Mittelspannungsschutz“ der KDT, über den VDEW-AA "Relais- und Schutztechnik", in der Deutschen Elektrotechnischen Kommission (DKE) K434 "Messrelais und Schutzeinrichtungen" und dem Bayernwerk-AK "Schutzeinrichtungen", sowie im AK “Stromgeschichte Thüringens“ der TEAG Thüringer Energie AG. Bis kurz vor seinem Tod am 1. März 2026 war er aktiv im AK „Mittelspannungsschutz“ im VDE Dresden und Thüringen, arbeitete aktiv im bundesdeutschen VDE-Ausschuss „Geschichte der Elektrotechnik“ mit.
Über all die Jahre war er Mitglied des Vorstands im VDE-Bezirksverein Thüringen.
In der VDE-Reihe „Anlagentechnik für elektrische Verteilungsnetze“ brachte er das Buch „Netzschutztechnik“ heraus. Das Buch erlebte, später mit seinem Sohn Thomas Schossig als Co-Autor, sieben Auflagen und ist sehr beliebt bei Praktikern der Schutztechnik. Noch am Tag seines Todes schrieb er finale Kommentare für die in Druckvorbereitung befindliche 8. Auflage.
Die Geschichte der Schutz- und Leittechnik war ihm eine absolute Herzenssache. An der Chronik mit mehreren tausend Stellen arbeitete er fast täglich akribisch.
In der Zeitschrift „PACWorld“ veröffentlichte er seit ihrer Erstausgabe im Jahr 2006 in fast allen Ausgaben Artikel zur Energiegeschichte, die international große Aufmerksamkeit erfuhren.
Seine zahlreichen Vorträge zur Thematik „Netzschutz“, „Schaltberechtigung in Mittel- und Hochspannungsanlagen“, „Blackouts in der Stromversorgung“, „Geschichte der Schutztechnik“ und „Elektrische Wiedervereinigung Deutschlands“ hatten einen großen Zuhörerkreis.
Er war Autor bzw. Mitautor zahlreicher Broschüren und Publikationen über die Energiewirtschaft in Thüringen und Deutschlands.
2020 wurde er zusammen mit dem AK “Stromgeschichte Thüringens“ der TEAG Thüringer Energie AG als Preisträger des Landesgeschichtlichen Preises für Industriekultur, Kategorie III von der Historischen Kommission für Thüringen und der Thüringer Staatskanzlei gewürdigt.
Höhepunkt seiner energiegeschichtlichen Laufbahn war die Würdigung mit der Karl-Joachim-Euler-Medaille des VDE für Verdienste um die Geschichte der Elektrotechnik im Rahmen eines Symposiums aus Anlass des einhundertjährigen Jubiläums der Gründung des Thüringenwerks im Oktober 2023 in Erfurt.

Der AK “Stromgeschichte Thüringens“ der TEAG Thüringer Energie AG verliert mit Walter Schossig, dem Kenner der Schutz- und Leittechnik, einen Netzwerker in Sachen Netz-Schutzkreisen sowie langjährigen Kollegen. Zudem geht mit ihm einer der größten Experten der Schutz- und Leittechnik im deutschsprachigen Raum verloren. Durch sein Ableben entsteht eine „Lücke“, die schwerlich zu füllen sein wird. Kollegial, immer menschlich, wissensdurstig, unermüdlich in seinem Forscherdrang, ein Fachmann durch und durch - wir werden sein Andenken in Ehren und in bleibender Erinnerung halten.